
{"id":363,"date":"2013-06-30T14:14:38","date_gmt":"2013-06-30T14:14:38","guid":{"rendered":"https:\/\/wss-osnabrueck.de\/?p=363"},"modified":"2018-06-05T10:37:12","modified_gmt":"2018-06-05T10:37:12","slug":"berufshaftpflicht-auskunftspflicht-und-querulanten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wss-osnabrueck.de\/?p=363","title":{"rendered":"Berufshaftpflicht, Auskunftspflicht und Querulanten"},"content":{"rendered":"<section class=\"av_textblock_section \"  itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div class='avia_textblock  '   itemprop=\"text\" ><h1>Berufshaftpflicht, Auskunftspflicht und Querulanten<\/h1>\n<p>Hinter dem Begriff der Berufshaftpflichtversicherung verbirgt sich die <strong>Haftpflichtversicherung f\u00fcr Verm\u00f6genssch\u00e4den<\/strong>, die ein Rechtsanwalt oder Notar gegen Sch\u00e4den abschlie\u00dft, die er w\u00e4hrend seiner beruflichen T\u00e4tigkeit schuldhaft verursacht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Beide Berufsgruppen m\u00fcssen sich versichern, sonst wird die Zulassungsurkunde als Anwalt solange nicht ausgeh\u00e4ndigt bis ein Versicherer best\u00e4tigt, dass ein dem Gesetz entsprechender Versicherungsschutz besteht, <strong>\u00a7 12 Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO)<\/strong>. Dies gilt f\u00fcr selbstst\u00e4ndige Rechtsanw\u00e4lte, f\u00fcr freie Mitarbeiter oder f\u00fcr angestellte Rechtsanw\u00e4lte.<\/p>\n<p>Die gesetzliche Pflicht, eine solche Versicherung f\u00fcr jeden Rechtsanwalt und jede Rechtsanw\u00e4ltin abzuschlie\u00dfen, existiert seit dem 9.9.1994. Die Mindestversicherungssumme f\u00fcr jeden Versicherungsfall betr\u00e4gt 250.000,00 Euro. Die H\u00f6chstleistung f\u00fcr alle innerhalb eines Versicherungsjahres verursachten Sch\u00e4den muss dem vierfachen Betrag der Mindestversicherungssumme entsprechen, \u00a7 51 Abs. 4 BRAO.<\/p>\n<p>Die Sonderstellung des Notars schl\u00e4gt sich auch bei seiner gesetzlichen Pflichtversicherung nieder, die seit dem 1.1.1983 besteht. Die Mindestversicherungssumme betr\u00e4gt heute insgesamt 1.000.000,00 Euro. Die Summe setzt sich aus je 500.000,00 Euro f\u00fcr die individuell vom Notar abzuschlie\u00dfende Basisversicherung nach <strong>\u00a7 19a Abs. 3 Bundesnotarordnung (BNotO)<\/strong> und der von den Notarkammern abgeschlossenen Gruppen-Anschlussversicherung (\u00a7 67 Abs. 3 Satz 3 BNotO) zusammen. Vors\u00e4tzliche Pflichtverletzungen des Notars sind von der \u201enormalen\u201c Berufshaftpflichtversicherung nicht abgedeckt. Soweit bei dem Notar in solchen F\u00e4llen kein Ersatz zu erlangen ist \u2013 sei es, weil die Versicherung nicht einspringt oder weil das Privatverm\u00f6gen des Notars nicht ausreicht \u2013 haben die Notarkammern f\u00fcr jedes ihrer Mitglieder nach \u00a7 67 Abs. 3 Satz 3 BNotO eine sogenannte <strong>Vertrauensschadensversicherung<\/strong> \u00fcber 250.000,00 Euro Mindestversicherungssumme abgeschlossen.<\/p>\n<p>Viele Rechtsanw\u00e4lte und Notare versichern sich mit deutlich h\u00f6heren Summen, um im Schadensfall nicht mit dem pers\u00f6nlichen Verm\u00f6gen haften zu m\u00fcssen. Ein gesch\u00e4digter Mandant ist also in jedem Fall abgesichert! Seit Mai 2010 m\u00fcssen Rechtsanw\u00e4lte ihren Mandanten mitteilen, dass und wo sie eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Dies ergibt sich aus der \u201eDienstleistungs-Informationspflichten-Verordnung\u201c (DL-InfoVO), die der Gesetzgeber am 17.3.2010 im Bundesgesetzblatt (Nr. 11, S. 267) verk\u00fcndet und die zwei Monate sp\u00e4ter am 17.5.2010 in Kraft trat.<\/p>\n<p>Teilt ein Anwalt auf Anfrage seine Haftpflichtversicherung dem (auch ehemaligen) Mandanten nicht mit, kann dieser nach \u00a7 51 Abs. 6 BRAO bei der Rechtsanwaltskammer Auskunft \u00fcber die Versicherung, ihre Adresse und die Versicherungsnummer beantragen. Die meisten Kammern h\u00f6ren bei solchen Antr\u00e4gen den Rechtsanwalt an. Wenn dieser \u201ekein eigenes \u00fcberwiegendes schutzw\u00fcrdigendes Interesse\u201c nachweist, wird dem Mandanten die gew\u00fcnschte Auskunft erteilt.<\/p>\n<p>Ob dieses Vorgehen der Kammern rechtm\u00e4\u00dfig ist, war in den vergangenen Jahren umstritten. Es wurde eingewandt, dass die Rechtsanwaltskammer die Informationen nur erteilen darf, wenn der (angeblich) gesch\u00e4digte Mandant \u00fcber einen Direktanspruch gegen die Versicherung nach \u00a7 115 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) verf\u00fcgt. F\u00fcr einen solchen Anspruch muss der Rechtsanwalt insolvent oder nicht mehr auffindbar sein.<\/p>\n<p>Dieser Auffassung hat der <strong>Anwaltssenat des Bundesgerichtshofes (BGH)<\/strong> in einer Entscheidung vom 22.10.2012 (Aktenzeichen: AnwZ (Brfg) 60\/11) widersprochen. Die Klage eines Rechtsanwalts gegen die Weitergabe seiner Versicherungsdaten wurde abgewiesen. Der BGH beruft sich in seiner Entscheidung auf die Bestimmungen der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) und der seit 2010 geltenden Informationsverordnung (DL \u2013 InfoVO), nach der der Anwalt selbst seine Mandanten \u00fcber seine Versicherung aufkl\u00e4ren muss. Der BGH vertritt die Meinung, dass es damit keinen Grund mehr gebe, die entsprechenden gesetzlichen Regelungen in der Bundesrechts anwaltsordnung einschr\u00e4nkend auszulegen.<\/p>\n<p>Ob bei querulatorischen Mandanten eine Auskunft auch einmal unterbleiben kann, lie\u00df der BGH offen. Die Anwaltskammern halten dies jedoch f\u00fcr den typischen Fall eines schutzw\u00fcrdigen Interesses des Anwalts. Dies bedeutet aber auch: im Regelfall erf\u00e4hrt der Mandant, wo sein Anwalt versichert ist.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Hans-Christian Agarius<\/td>\n<td>HansAdolf Welp<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>(Bachelor of Laws)<\/td>\n<td>(Fachanwalt f\u00fcr Arbeitrecht)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div><\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berufshaftpflicht, Auskunftspflicht und Querulanten Hinter dem Begriff der Berufshaftpflichtversicherung verbirgt sich die Haftpflichtversicherung f\u00fcr Verm\u00f6genssch\u00e4den, die ein Rechtsanwalt oder Notar gegen Sch\u00e4den abschlie\u00dft, die er w\u00e4hrend seiner beruflichen T\u00e4tigkeit schuldhaft verursacht.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,5],"tags":[],"class_list":["post-363","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-arbeitsrecht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wss-osnabrueck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/363","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wss-osnabrueck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wss-osnabrueck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wss-osnabrueck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wss-osnabrueck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=363"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/wss-osnabrueck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/363\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":380,"href":"https:\/\/wss-osnabrueck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/363\/revisions\/380"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wss-osnabrueck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wss-osnabrueck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wss-osnabrueck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}